Geschichte

Über die Gründung der Linden-Apotheke vor 90 Jahren

Jahrhundertelang war eine mächtige Linde das Wahrzeichen des Weingärtnerdorfes Gablenberg. Sie stand dort, wo sich heute Libanonstraße und Gablenberger Hauptstraße kreuzen. Am Lindenplatz trafen sich seit ältesten Zeiten nach Feierabend die Bewohner des alten Gablenberg. Noch bis zum zweiten Weltkrieg sah man am Anfang der Lindenstraße, wo von dort in westlicher Richtung in die Weinberge hinaufführte, drei kleine, alte Häuschen, umgeben von Bäumen und Gärten, die einen Eindruck gaben von der Idylle des alten Dorfes am Klingenbach. Die uralte Linde fiel in den 80er Jahren des 19. Jahrhundert zusammen, eine junge, die man an gleicher Stelle gepflanzt hatte, ging bald wieder ein.

Zwischen 1900 und 1910 war Stuttgart schnell über den Talkessel hinausgewachsen und hatte mit seinen mehrstöckigen Mietshäusern und Villen der Gründerzeit Gablenberg erreicht. Der Ort hatte nun 5100 Einwohner. Daraufhin bot der Stuttgarter Magistrat 1911 die Lizenz zur Eröffnung einer Apotheke in diesem Vorort an. Sie erhielt der Apotheker Richard Otterbach.

Dieser ließ an der Ecke Hauptstraße-Gablenbergstraße ein vierstöckiges Wohngebäude errichten mit Geschäftsräumen im Erdgeschoß. In diesen eröffnete seine Apotheke am 15. Juni 1912. Nach dem Baum, der dort gestanden hatte, nannte er sie Lindenapotheke. Auch verkörperte die Linde, da ja Lindenblüten bei Erkältungskrankheiten eine vielfältige Verwendung fanden, für den überzeugten Anhänger der Homöopathie die Heilkräfte der Natur.

"In den großen, aus schönem Holz geformten Regalen", so wird berichtet, "standen viele Töpfe aus Porzelan und Glas, alle mit einem Etikett versehen, auf denen der Inhalt meist in lateinischen Wörtern stand. Zwei große Sitzbänke befanden sich in dem Verkaufsraum, denn zur damaligen Zeit gab es noch wenige Arzneien, die fertig abgepackt in den Regalen standen. Fast jede vom Arzt verordnete Arznei mußte angefertigt bzw. angerührt werden, und das erforderte Zeit."

Die schönen Schubkästenregale der Gründungszeit zeugen noch heute von der 90-Jährigen Tradition der Linden Apotheke. Beim Umbau im Jahre 1998 wurde unter Bewahrung des Alten die Offizin mit praktischen Ziehschränken und mit Verwendung moderner Technik ausgebaut.

Apotheker der Linden-Apotheke:
1912 -1940
1940 -1953
1954 -1973
1973 -1998
seit 1998
Richard Otterbach
Hugo Knecht
Dr. Eugen Ehninger
Hildegard Eleftheriadis
Dorothee Seils